Im
Ernst? Wertet ein absolvierter Marathon ein Bewerbungsdossier auf?
Sportlichkeit kann schon mal das Zünglein an der Waage spielen.
Berufsberater empfehlen seit langem, regelmässig betriebene
Sportarten im Lebenslauf aufzuführen. Ich weiss von verschiedenen
Personalberatern, dass sie sportliche Aktivitäten hoch gewichten.
Wenn am Ende des Selektionsprozesses noch drei gleichwertige Kandidaten übrig
bleiben, stellt manch einer von ihnen die Frage: «Und was treiben
Sie für Sport?» Wer sagt, er habe keine Zeit für
Sport, schmälert seine Chancen ebenso wie jener, der den Eindruck
erweckt, der Sport sei ihm eigentlich wichtiger als die Arbeit. Wer
Marathon läuft und das mit überdurchschnittlicher Leistung
am Arbeitsplatz kombinieren kann, hat gute Chancen, die Stelle zu
bekommen. Er hat nämlich bewiesen, dass er sich hohe Ziele setzt,
diese konsequent verfolgen und sie, trotz Rückschlägen,
auch erreichen kann. Ausdauer und Beharrlichkeit, diese Tugenden
sind im Berufsleben gefragt.
Sie sind mehrfacher Schweizer Meister im
Marathon und arbeiten nun als Sportcoach. Welche Bedeutung hat
das Laufen heute für Sie?
Ich würde bestreiten, dass ich süchtig bin, aber ich brauche
sehr viel Bewegung. Tägliches Laufen ist für mich Lebensqualität,
ebenso selbstverständlich wie Zähneputzen, es gehört
zur Körperhygiene. In meiner Funktion als Personal Trainer bin
ich zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter unterwegs, ich geniesse
die Privilegien, die dieser Beruf mit sich bringt.
Ihre Bestzeit über die Marathondistanz
liegt bei 2:13 Stunden. Wie schnell sind Sie heute noch?
Das ist mehr als 20 Jahre her, heute, im Alter von 57 Jahren, muss
ich keinen Bestzeiten mehr hinterherjagen, ich will ja nicht bis
zum Lebensende auf dem Zahnfleisch laufen, sondern ich laufe jetzt
im Tempo meiner Kunden. Wenn ich an Rennen teilnehme, bin ich meist
ohne Startnummer unterwegs und helfe anderen, eine bestimmte Endzeit
zu erreichen. Am diesjährigen New York Marathon werde ich eine
Gruppe mit Philippe Rochat, Urs Meier und anderen begleiten – vor
10 Jahren hat Franziska Rochat-Moser, die ich damals trainierte,
dort gewonnen. Für uns wird das Hauptziel sein, anzukommen und
uns gut zu fühlen.
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